Auf dem CARAVAN SALON 2026 präsentierten Vöhringer, Motive Development und das nordamerikanische Start-up CityFreighter eine Weltpremiere, die zeigte, was aus Wohnmobilen werden kann, wenn sie nicht mehr durch die Kompromisse eines klassischen Nutzfahrzeug-Chassis eingeschränkt werden. Das am Vöhringer-Stand ausgestellte Konzeptfahrzeug basiert auf einer vollelektrischen Skateboard-Plattform, die exklusiv für batterieelektrische Fahrzeuge entwickelt worden war. Ihr Name: EVOLVE. Das Ergebnis war eine völlig neue Fahrzeugarchitektur, die den verfügbaren Wohnraum, das Fahrzeuggewicht, die Energieintegration und den Komfort an Bord grundlegend neu definiert.
Eine revolutionäre Plattform machte dieses Wohnmobil möglich
Das spektakuläre Wohnmobil ist in Wirklichkeit nur der erste sichtbare Beweis für eine weitaus grundlegendere Entwicklung. Die wahre Innovation verbirgt sich unter dem Boden. Während herkömmliche Fahrgestelle Motorraum, Getriebe, Kardanwelle und Achsen vorgeben und damit den gesamten Fahrzeugaufbau einschränken, integriert die CityFreighter-Plattform EVOLVE Batteriesystem, E-Antrieb, Fahrwerk und Leistungselektronik vollständig in einem extrem flachen Skateboard-Chassis. Für Fahrzeughersteller und Systemlieferanten ergeben sich dadurch bisher nie dagewesene Gestaltungsfreiheiten. Für Wohnmobilbesitzer bedeutet dies deutlich mehr nutzbaren Wohnraum. Der Innenraum wurde größer, der Boden vollkommen eben, die Einstiegshöhe geringer, während die Stehhöhe im Innenraum zunahm. Vier Reisesitze in voller Größe, vier Schlafplätze, ein flexibles Badkonzept und modulare Leichtbaumöbel schaffen eine Innenraumatmosphäre, die eher an eine moderne Loftwohnung als an ein herkömmliches Wohnmobil erinnert. Die größte Herausforderung für Elektro-Wohnmobile war nicht die Reichweite. Es war das Gewicht. Große Batteriepacks verringern oft die Nutzlast oder zwingen die Besitzer dazu, einen Führerschein einer höheren Klasse zu erwerben. Diese gemeinsame Entwicklung ging genau auf diese Herausforderung ein. Dieser Prototyp wurde speziell entwickelt, um die Anforderungen der bevorstehenden Erweiterung der europäischen Führerscheinklasse B auf 4,25 Tonnen für vollelektrische Fahrzeuge zu erfüllen. Diese neue Regelung wird als einer der wichtigsten Wegbereiter für Elektro-Wohnmobile eingeschätzt, da sie das Fahren schwererer emissionsfreier Freizeitfahrzeuge mit einem normalen Pkw-Führerschein ermöglicht.
Größere Gestaltungsfreiheit – und bessere Fahrdynamik
Die neue Fahrzeugarchitektur schafft nicht nur mehr Innenraum. Sie verändert grundlegend die Proportionen des gesamten Fahrzeugs. Motive Development, verantwortlich für das Außendesign und die Fahrzeugarchitektur, konnte das Wohnmobil vollständig um die Elektro-Skateboard-Plattform herum entwickeln – statt das Design an die Einschränkungen eines handelsüblichen Transporter-Chassis anzupassen. Während heutige Wohnmobile oft deutlich über die Breite des Basisfahrzeugs hinausragen, integrierte das CityFreighter-Konzept Karosserie und Radkästen in ein harmonisches Design. Die Räder sind an den Außenkanten des Fahrzeugs positioniert und schaffen so eine durchgehende, ausgewogene Silhouette. Das Ergebnis ist weit mehr als nur eine ästhetische Verbesserung. Die ausgewogenen Proportionen tragen zu einer höheren Fahrstabilität, einem präziseren Handling und einer deutlich verbesserten Fahrdynamik bei – insbesondere bei Seitenwind und bei plötzlichen Spurwechseln. Gleichzeitig präsentiert das Fahrzeug eine moderne Designsprache, die die unter der Karosserie verborgene technologische Innovation sichtbar widerspiegelt.
Elektrisches Reisen bedeutete auch elektrisches Leben
Die Batterie leistet weit mehr, als nur den Antriebsstrang mit Strom zu versorgen. Sie wird zur Energiequelle für das gesamte Wohnmobil. Induktionskochen, Klimaanlage, Kühlgeräte, Kaffeemaschinen und sogar ein mobiles Büro können direkt über die Antriebsbatterie mit Strom versorgt werden. Mit seinem 128-kWh-Batteriepaket ist der Prototyp auf eine praktische Reichweite von über 400 km (250+ Meilen) ausgelegt. CityFreighter erreicht diese Reichweite unter realen Betriebsbedingungen bereits. Dank 200-kW-Gleichstrom-Schnellladung läßt sich die Batterie in etwa 20 Minuten von 10 % auf 80 % aufladen, sodass Reisende ihre Fahrt nach nur einem kurzen Ladestopp fortsetzen können. Integrierte Photovoltaikmodule von OPES Solar Mobility erhöhen sowohl die Reichweite als auch die Energieunabhängigkeit zusätzlich. Als solarer Reichweitenverlängerer erzeugen sie sowohl während der Fahrt als auch im geparkten Zustand kontinuierlich Strom. Dieses Konzept zeige, wie sich das traditionelle Wohnmobil zu einer vollständig mobilen Wohn- und Arbeitsumgebung weiterentwickeln kann. Vor allem jüngere Generationen, die sich das Arbeiten aus der Ferne zunutze machten, erwarteten zunehmend ein solches Maß an Flexibilität.
Michael Schoening, Gründer und CEO von CityFreighter, erklärte den Durchbruch so: „Für uns gibt es den Begriff ‚Nischenmarkt‘ nicht mehr. Unsere Skateboard-Plattform EVOLVE schafft eine hochflexible Fahrzeugarchitektur, die sich an eine Vielzahl von Anwendungsbereichen anpassen lässt. Gemeinsam mit Vöhringer, Motive Development und unseren Industriepartnern demonstrieren wir erstmals das enorme Potenzial, das sich daraus für die Freizeitfahrzeugbranche ergibt.“
Hohe Wertstabilität und kommerziell interessante Circularity-Qualität
CityFreighter veränderte zudem den wirtschaftlichen Lebenszyklus von Elektrofahrzeugen grundlegend, indem es Fahrzeug und Batterie konzeptionell trennte. Fahrzeug und Batterie wurden nicht mehr als eine untrennbare Einheit betrachtet. Die Batterie konnte eigenständig gewartet, bei Bedarf ausgetauscht oder aufgerüstet werden, sobald zukünftige Zelltechnologien verfügbar seien. In Zukunft könnten Fahrzeug und Batterie sogar getrennte Wege beim Wiederverkauf und bei der Zweitverwertung einschlagen. Dieser Ansatz senkte die Wartungskosten, verbesserte den langfristigen Restwert und eröffnete völlig neue Möglichkeiten für Konzepte der Kreislaufwirtschaft. Für Premium-Wohnmobile, die oft jahrzehntelang im Einsatz blieben, stellte dies einen erheblichen wirtschaftlichen Vorteil gegenüber den damaligen konventionellen Fahrzeugarchitekturen dar.
Ein gemeinsames Innovationsprojekt führender Caravaning- und EV-Spezialisten
Das Konzeptfahrzeug entstand in enger Zusammenarbeit hochspezialisierter Industriepartner. Vöhringer brachte sein Know-how im Bereich des leichten Innenausbaus ein. Motive Development war für das Gesamtfahrzeugkonzept, das Außendesign und die Fahrzeugarchitektur verantwortlich. CityFreighter entwickelte die vollelektrische Skateboard-Plattform, die die technische Grundlage des Projekts bildete. Weitere Unterstützung leistete OPES Solar Mobility mit seiner integrierten Photovoltaikanlage, während Dometic, Isringhausen, Euramax, Zambelli, Jokon und Nolden jeweils ihr Fachwissen in ihren jeweiligen Bereichen einbrachten. Gemeinsam zeigten diese Unternehmen, wie branchenübergreifende Zusammenarbeit Innovationen beschleunigen und völlig neue Möglichkeiten für die Zukunft von Freizeitfahrzeugen schaffen konnte. CityFreighter suchte aktiv nach zukunftsorientierten Wohnmobil-Herstellern und strategischen Industriepartnern, um diese speziell entwickelte Elektroplattform gemeinsam zu industrialisieren. Durch die Zusammenarbeit sollten diese Partnerschaften die Produktentwicklung beschleunigen, die Marktnachfrage validieren und die nötige Dynamik schaffen, um die nächste Generation von Elektro-Wohnmobilen in die Serienproduktion zu bringen.

