Das Thema Gewicht ist beim Caravaning seit jeher ein elementarer Faktor. Sei es im Fahrzeugbereich bei der Zuladung oder bei Führerscheinregelungen und jetzt auch noch verstärkt im Rahmen der Elektromobilität. Vor dem Hintergrund all dieser Vorgaben hat Fendt-Caravan ein neues innovatives Projekt ins Leben gerufen: den Caravan NEXT 380.
Text: Peter Hirtschulz
Auf dem Caravan Salon 2025 in Düsseldorf hatte Camper Professional Gelegenheit mit Thomas Kamm, Leiter Marketing und Kommunikation Fendt-Caravan und Leo Berchtenbreiter, Leiter Entwicklung/Konstruktion bei Fendt-Caravan über das neue Projekt/Produkt zu sprechen.


Camper Professional − Herr Kamm ist der NEXT-Caravan eine weitere Baureihe im Portfolio von Fendt-Caravan?
Thomas Kamm − Nein, das ist er nicht. NEXT ist bewusst als eigenständige Marke und nicht als weitere Baureihe von Fendt platziert worden, weil der NEXT 380 ganz einfach Parameter und Markenwerte hat, die Eigenständigkeiten haben. Allein von der Optik, wenn man vor dem Fahrzeug steht, sieht man, dass sich die grundlegend von dem Fendt-Caravan Programm unterscheiden. Deswegen die eigene Marke. Wir haben hier Markenwerte und eine Begrifflichkeit der Leichtigkeit, der Bodenständigkeit, wir nennen das englischsprachig, base equipped. Also das heißt, ich habe das Nötigste dabei, ohne großen Schnickschnack. Er soll modern wirken, aber er soll von Fendt-Caravan platziert trotzdem ein gewisses Quäntchen Fendt-Caravan-Komfort haben. Das heißt, wir haben hier einen bestimmten Standard an Qualitäten, Premium Qualität, die wir in den NEXT auch mit reinbringen, gemäß der DNA, und da können wir aus unserer eigenen Haut nicht raus und die kommt von Fendt-Caravan. Zusammengefasst, der NEXT ist eine vollständig unabhängige Marke. Sie wird allerdings von Fendt-Caravan-Entwicklern konzipiert und die Fahrzeuge werden bei Fendt-Caravan in Mertingen produziert und über Fendt-Caravan und darüber hinaus vermarktet.
Camper Professional − Was heißt „darüber hinaus“?
Thomas Kamm − Wir haben den NEXT als neue Marke zunächst unseren Fendt-Caravan-Händlern angeboten. Wir waren von der Nachfrage überrascht: mehr als 90 Prozent unserer Partner waren nicht nur begeistert, sondern haben auch gleich geordert. Aber um Ihre Frage zu beantworten, wir gehen mit dem NEXT nicht nur einen neuen Produktweg, auch in der Vermarktung betreten wir neues Terrain. Für die Marke NEXT kann sich jeder Caravan-Händler bewerben. Nach entsprechender Bewerbung prüfen wir die Sachlage und sofern er sich nicht mit einem Fendt-Caravan-Händler territorial ins Gehege kommt, käme er als NEXT-Partner in Frage.
Camper Professional − Warum wurde der NEXT entwickelt? Hat der Caravan-Markt noch zusätzliches Potential?
Thomas Kamm − Sie haben Recht, der Caravan-Markt ist momentan etwas unter Druck. Nach dem Boom und Hype der Pandemie sind die Zulassungszahlen leider zurückgegangen. Wobei ich erwähnen muss, dass bei Fendt-Caravan die Zahlen nicht den Rückgang des Gesamtmarktes reflektieren. Aber zurück zum NEXT. Unsere Marktanalysen haben ergeben, dass solch ein leichter Wohnwagen unter den Caravans zukünftigen Marktanforderungen entspricht und damit Verkaufserfolge verspricht. Und das auf verschiedenen Ebenen. Dazu gehört der Bereich der Elektromobilität, aber auch der Trend zu kleineren Pkw, die nur ein Leichtgewicht ziehen können. Mit dem NEXT haben auch jüngere Camper mit kompakteren Fahrzeugen die Möglichkeit, dass sie bei einer Gesamtmasse des Gespanns von unter 3,5 Tonnen, der Next wiegt nur 1.000 Kilogramm, auch mit dem B96-Klasse-Führerschein campingmäßig unterwegs sein können.


Camper Professional − Mit welchen leichten Daten und Fakten wartet der neue NEXT auf?
Leo Berchtenbreiter − Zunächst die Maße: Er ist 5,88 Meter lang, der Aufbau misst 4,37, er ist 2,19 Meter breit, bietet eine Stehhöhe von 1,98 Meter und ist nur 1.000 Kilogramm schwer. Allein durch die reduzierte Breite (2,19 Meter anstatt 2,30/2,50 Meter) sparen wir Gewicht. Außerdem haben wir bei der Produktion genau darauf geachtet mit Stoffen zu arbeiten, die geringes Gewicht verursachen. Dazu gehört die Sandwich-Bauweise mit Holz, das Vermeiden von Doppelwänden, der Einsatz ultraschallverschweißter Dübel (aus dem Hause Würth) und spezieller Scharniere (aus der Fendt-Diamant-Baureihe). Im Staukastenbereich wurde auf Klappen verzichtet und es gibt auch keinen Deichselkasten, die Gasflaschen befinden sich hinter einer Seitenklappe. Alle diese Maßnahmen mit kompakten Maßen und leichterem Gewicht lassen aber trotzdem eine standardisierte Komfort-Grundausstattung zu, die ein Camper von seinem Wohnwagen erwarten kann.
Camper Professional − Der NEXT wird mit dem Slogan „Reduce to the Max“ beworben. Was bietet der Caravan?
Leo Berchtenbreiter − Der NEXT bietet ausreichend (Stau)Raum für 2 bis 3 Personen. Technisch haben wir ein stabiles Chassis, eine gute Isolierung, einen Frischwassertank mit Außen-Befüllung, Heizung sowie einen Schlafbereich, eine funktionale Küchenzeile mit Kochfeld mit zweiflammigem Gasherd, Doppeltür-Kühlschrank und Stauraum sowie ein Waschbereich mit WC. Auch für eine angenehme Atmosphäre haben wir gesorgt: Die gemütliche Sitzecke hat eine herrliche Aussicht durch drei Fenster, durch das eingebaute Dachfenster kommt auch Licht von oben in den Caravan. LEDs setzen das perfekte Licht, Rollos schützen, die Couch wird im Handumdrehen zum dritten Bett. Was will man mehr?
Camper Professional − Wie sieht es mit der Zuladung aus und wurden Testfahrten durchgeführt, die belegen, inwieweit der NEXT für die E-Mobilität geeignet ist? Bekommt der NEXT im der Grundausstattung eine 100km/h Zulassung?
Leo Berchtenbreiter − Die Zuladung liegt bei circa 200 Kilogramm. Und ja, wir haben Testfahrten mit dem Next durchgeführt. Wir haben den Next im produzierten Zustand mit einem VW ID 7 gepaart und haben im Mix 200 Kilometer Landstraße und Autobahn zurückgelegt. Danach hatten wir noch eine Restreichweite von etwa 50 Kilometern. Bei Erfüllung der Regularien ist eine „Tempo 100“-Zulassung möglich.


Camper Professional − Was sind denn die ersten Erfahrungen hier auf dem Salon und von den Händlern?
Thomas Kamm − Überwältigend positiv. Wir sind selbst überrascht. Selbst altgediente Wohnwagen-Kunden zeigen großes Interesse. Viele ältere Camper spielen anscheinend mit dem Gedanke ihren großen Caravan gegen einen kompakten – immerhin durchschnittlich zehn Zentimeter weniger Breite – und ausreichend ausgestatteten NEXT eintauschen zu wollen. Die breite Mittelschicht wird beruflich, durch firmenpolitische Entscheidungen, gezwungen Firmenfahrzeuge mit E-Antrieb zu nehmen. Diese und alle die generell die E-Mobilität bevorzugen, suchen nach einem Caravan, der ihrem Zugfahrzeug angepasst ist. Ein Markt, der ständig wächst.
Camper Professional − Nach diesen Erfolgsmeldungen, stellt sich die Frage, ob der NEXT-Caravan Zuwachs bekommt?
Leo Berchtenbreiter − Das ist durchaus möglich. Aktuell bieten wir für den NEXT 380 insgesamt drei zusätzliche Ausstattungs-Pakete, unter anderem mit eine Gewichtserhöhung bis zu 1.300 Kilogramm und Fahrradträgern, und den Einsatz einer AKS-Sicherheitskupplung an. Aber nach den ersten positiven Rückmeldungen durch unsere Kunden werden wir deren Wünsche analysieren und dann sehr wahrscheinlich, aber unter Wahrung der Kompaktheit, alternative Ausführungen entwickeln.
