Interviews mit Wohnmobilherstellern Zeitungsinterview

Barbara Schell, PhoeniX Reisemobile

100% Made in Germany!

PhoeniX Reisemobile kommen aus einem familiengeführten Unternehmen und sind eine Marke, die „100% Made in Germany“ nicht als Marketing-Slogan verstehen, sondern diese historisch belegbare Begrifflichkeit in ihrer ganzen Seriosität als Firmenphilosophie und Produktionsqualität nicht nur verstehen, sondern auch zutiefst leben.

Text: Peter Hirtschulz- Fotos: Detlev Bues / Phoenix Werk

Vor diesem Hintergrund ist es bemerkenswert oder auch erklärbar, dass PhoeniX Reisemobile als Familienunternehmen gegenüber einer immer stärkeren Zentralisierung von Unternehmensgruppen bestehen kann.
Und darüber hinaus mit enormer Innovationskraft und einer in der Branche geradezu einmaligen Produktionsmethode eine überaus erfolgreiche Historie vorweist.
Camper Professional Deutschland hatte die Gelegenheit mit der Familie Schell, bestehend aus Senior-Chefin Barbara Schell, ihrem Seniorchef Johannes sowie mit Oliver Schell, der mittlerweile in einer geordneten Familienhierarchie der Mehrheitseigner ist, über die Geschichte des Unternehmens, seine Produkte und die Produktion sowie die hauseigene Innovationskraft zu sprechen.

Drei Generationen bei der Arbeit, von links: Barbara, Johannes, Oliver und Julia Schell.

Camper Professional – Frau Schell, „Ladies First”, wie kam es zur Entscheidung, dass Familie Schell ihre eigene Reisemobil-Produktion gegründet hat?

Barbara Schell – Die Urzelle und der eigentliche Initiator, dass es aktuell in Schlüsselfeld drei Reisemobilhersteller gibt, ist mein Mann Johannes. Er ist gelernter Schreinermeister, hat den Reisemobilbau von der Pike auf gelernt und entwickelt. Angefangen hat er bei Tabbert in Aschbach und wechselte danach zu Concorde.
Dort war er als Betriebsleiter in verantwortlicher Position in der Produktion. Aber nach 20 Jahren Concorde kam im Jahre 1997 der Punkt, an dem er sich entschied, sich selbst treu zu bleiben. Das hieß für ihn, Qualität vor Quantität, beziehungsweise keine Reisemobile in Serie also ‚en masse‘ zu bauen, sondern einzelne, individuelle Fahrzeuge mit ausgeklügelter Funktionalität, innovativer Technik und bester Qualität zu produzieren. Und dafür bringt er die besten Vorausatzungen mit: Mein Mann ist ein begnadeter Techniker und ein beharrlicher Tüftler. Er hat die Gabe im Kopf technische Lösungen zu entwickeln, die andere noch nicht einmal anhand einer Zeichnung erkennen.

Camper Professional – Wie sehen Sie denn Ihre Rolle im Familien-Unternehmen Schell Fahrzeugbau?

Barbara Schell – Ich bin die gute Seele des Unternehmens. Ich halte das Geld zusammen und sorge mich um ein gutes Miteinander in Harmonie im Unternehmen. Außerdem bemühe ich mich den Familiengedanken für den unternehmerischen Erfolg zu kultivieren. Mir ist es unglaublich wichtig, mit Mitarbeitern, Händlern und Kunden wie auch Zulieferern gleichermaßen ehrlich, loyal und liebenswert umzugehen. Nur wenn dieses Konstrukt harmoniert, kann man auf Dauer erfolgreich sein.
Unseren wirtschaftlichen Erfolg teilen wir übrigens seit langen Jahren gerne in der Art von Spenden an Institutionen die gemeinnützige- und kulturelle Belange, wie auch Hilfsbedürftige unterstützen.
So habe ich die ehrenvolle Aufgabe, als Schirmherrin der Branche, seit 14 Jahren, als Dank einiger ehrenwerter Mitbewerber und Aussteller, während des Caravan Salons in Düsseldorf jeweils einen Spendenscheck an die Elterninitiative Kinderkrebsklinik Düsseldorf e.V zu überreichen. Ich bin sehr dankbar und glücklich, dass wir hier bereits 750.000,00 Euro als Unterstützung für die krebskranken Kinder übergeben konnten.

Camper Professional – Wie sieht denn das Konstrukt Familienunternehmen heute aus?

Barbara Schell – Wir haben heute einen Stamm von 80 Mitarbeitern. 15 Prozent dieser Belegschaft ist bereits seit der Gründung im Jahr 1997 bei uns. Viele sind schon 15 Jahre und länger bei uns. Im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen der Branche beschäftigen wir auch nur wenige Leiharbeiter. Die Mehrzahl unserer Beschäftigten sind von uns ausgebildet oder langjährig mit uns verbunden. Wir sind eine verschworene Gemeinschaft: Einer für alle und alle für einen. Das gilt auch für unsere Handelspartner. Mit ihnen pflegen wir ein äußerst partnerschaftliches Verhältnis. Wir sind nahe am Geschehen, wenn sich Veränderungen aufzeigen, können wir ohne große Hierarchie schnell reagieren und finden mit unseren Partnern bei anstehenden Problemen gemeinsam schnell eine gute Lösung. Dazu gehört auch, dass es bei uns keinen Werksverkauf gibt. Wir stehen in der Verantwortung zu unseren Handelspartnern und legen viel Wert auf einen sehr fairen Umgang miteinander. Diese Philosophie gilt auch für unsere Lieferanten und unsere Kunden. Letztere honorieren diesen Umgang mit langjähriger Treue. Es gibt Kunden, die bereits mehr als fünf Reisemobile bei uns gekauft haben. Im Rahmen eines erfolgreichen, guten Miteinanders mit unseren Handelspartnern führen wir mehrmals im Jahr Schulungen durch, auf Wunsch auch vor Ort beim Handelspartner. Diese Art der kommunikativen und informierenden Zusammenarbeit ist uns wichtig.

Camper Professional – Was zeichnet PhoeniX-Reisemobile aus?

Oliver Schell – Beginnen wir bei der Produktionstechnik. Wir sind einzigartig, denn wir bauen unsere Reisemobile von außen nach innen. So gut wie alle anderen Reisemobil-Hersteller, gehen aber den umgekehrten Weg. Das heißt der entscheidende Unterschied liegt im Aufbau der Kabine. Wir fertigen zuerst eine selbsttragende Kabine, die eine besonders hohe Stabilität gewährleistet. Erst im Anschluss werden die Möbel eingebaut – und die sind selbststehend. Das heißt jedes Teil, auch Funktionskomponenten wie Kühlschränke können jederzeit ausgetauscht werden. Wir setzen höchste Maßstäbe an Technik, Verarbeitung und Sicherheit. Alle PhoeniX-Reisemobile stehen für ausgefeilte Technik, ausgeklügelte Funktion und bestmögliche Qualität für eine besondere Langlebigkeit.

Camper Professional – Was sind die besonderen und langlebigen Qualitätsmerkmale eines PhoeniX-Reisemobils?

Oliver Schell – Es beginnt mit dem Fahrwerk. Hier kommen bei uns nur Chassis von unseren Partnern Iveco und MAN zum Tragen. Bei der Kabine, sprich den Boden-, Seiten- und Dachteilen arbeiten wir eng mit dem Hersteller zusammen. Deren hochqualitative Wandteile haben Isolationswerte von Ziegelmauern mit einer Stärke von 190 Zentimetern.
Damit erreichen wir eine sichere und kompakte Außenkonstruktion, die in keiner Serienfertigung zu finden ist. Erst nach der Fertigung dieser soliden Hülle installieren wir wie beim Hausbau die notwenigen technischen Leitungen und Accessoires. Danach montieren unsere kompetent ausgebildeten Schreiner die jeweils individuell angefertigten Möbel.
Dabei nutzen wir die Vorteile der Frontrahmenbauweise mit Aluminiumprofilen, durch die unsere Möbel eine außerordentliche Festigkeit erhalten.
Johannes Schell – Ich darf noch hinzufügen, dass ich nicht nur an mich hohe Ansprüche stelle. Das gilt auch für unsere Mitarbeiter. Und da bin ich stolz darauf, dass unsere Mannschaft nicht nur aus langjährigem Personal besteht, sondern dass alle zu dem über eine maximal hohe Kompetenz an handwerklichen Fähigkeiten und eine besondere Leidenschaft für den Reisemobilbau mitbringen. Der Erfahrungsschatz unseres Teams reicht mittlerweile über Generationen hinweg. Dabei stehen die handwerklichen Fähigkeiten unserer bestens ausgebildeten Gesellen und Meister im Vordergrund. Automatisierung nutzen wir nur dort, wo sie sinnvoll und möglich ist. Oliver und ich persönlich leiten eine Initiative in unserem Haus, die sich um die Ausbildung von Mitarbeitern für das neue Branchen-Berufsbild „Caravan- und Reisemobil-Techniker“ kümmert und sorgen dafür, dass wir bei PhoeniX einen hohen Stand an qualifizierten Ausbildungsplätzen anbieten und besetzen können. Übrigens macht unsere Enkelin Julia, Tochter unseres Sohnes Oliver, aktuell auch den Lehrgang zum Caravan- und Reisemobil-Techniker!

Camper Professional – PhoeniX baut Reisemobile nicht in Serie…

Johannes Schell – Das ist korrekt. Das war ja der Grund meines Entschlusses mich selbständig zu machen. Jedes PhoeniX-Reisemobil, das unser Werksgelände verlässt, ist einzigartig auf der Welt. Individualität ist eine unserer Erfolgskomponenten. Unser Schlagwort für die (erfolgreiche) Zukunft lautet „PhoeniX Individual“. Ab der Maxi-Baureihe können die Kunden ihre persönlichen Vorstellungen verwirklichen. Ob ein längeres Bett für besonders große Kunden, oder spezielle Gestaltungen in Bad oder Küche – alle Wünsche werden flexibel umgesetzt. Wir haben für jeden Kunden das maßgeschneiderte Modell: von unserer MIDI-Einstiegsbaureihe bis hin zum exklusiven TopX-Liner mit Autogarage im Heck. Eine PhoeniX-Besonderheit ist, dass selbst beim MIDI, unserem Einstiges Modell die gleiche hochwertige Qualität garantiert wird wie bei unseren Top-Modellen.
Oliver Schell – Apropos Individualität. Dazu haben wir ein zentrales Marketing-Tool entwickelt. Mit unserem PhoeniX-Konfigurator können die Kunden im Vorfeld daheim exakt nach ihren Vorstellungen ihr Wunsch-Mobil konzipieren. Mit einem generierten     Konfigurations-Code gehen sie dann zum Handelspartner, der mit ihnen dann alle Wünsche und Optionen bespricht. Zur besseren Visualisierung und Vorstellung erstellen wir dann Zeichnungen für den Kunden. Zudem bieten wir zahlreiche 3-D-Aufnahmen, die der Kunde bequem am Bildschirm im 360-Grad-Format betrachten kann. Das Ganze wird auch durch Virtual-Reality-Brillen unterstützt, durch die der Kunden das Fahrzeug bereits im Planungsstadium „lebensecht“ von innen erleben kann.

Camper Professional – Was sind in Ihrem Portfolio die Top-Seller?

Johannes Schell – PhoeniX ist seit jeher ein Synonym für Alkoven-Mobile mit Längs-, Einzelbetten und Heck-Rundsitzgruppen. Diese machen über 50 Prozent unserer Grundrisse aus. Gleichzeitig stellen wir aktuell aber auch eine steigende Nachfrage nach unseren Liner-Modellen fest. Deshalb haben wir in diesem Jahr unseren neuen Maxi-Liner 9000 AY entwickelt – Pkw-Garage und einem zulässigen Gesamtgewicht von unter 7,49 Tonnen! Die Nachfrage ist beachtlich.

Camper Professional – Wie werden Sie dem Slogan 100% Made in Germany gerecht?

Oliver Schell – Dieser Philosophie werden wir zu 100 Prozent gerecht. Alle Komponenten, die wir für unseren Reisemobilbau benötigen rekrutieren wir aus deutscher Produktion. Nur in seltenen Ausnahmefällen, falls das benötigte Material in Deutschland nicht verfügbar ist, greifen wir auf europäische Lieferanten zurück. Made in Germany bezieht sich auch auf unsere Entwicklungsarbeit, die unter Führung meines Vaters mit einem kompetenten Team realisiert wird. Auch hier gilt größte Sorgfalt. Die von uns „Made in Germany“ entwickelten Innovationen werden erst verbaut, wenn sie nach intensiver Prüfung wirklich funktions- und leistungsfähig sind – ganz im Sinne des ursprünglichen, historisch bekannten Qualitäts-Slogans.

Camper Professional – Wie beurteilen Sie die aktuelle Marktlage?

Barbara Schell – Erfreulicherweise sind wir von den allgemeinen Marktrückgängen nicht betroffen. Da wir nur auf Bestellung produzieren, sind wir auch von keiner Überproduktion betroffen. Unsere Kunden lassen sich außerdem von der allgemeinen Stimmung nicht beeinflussen. Viele von ihnen fiebern über Jahre auf ihren neuen PhoeniX hin, um sich ihren individuellen Traum zu erfüllen. Daneben gibt es zahlreiche neue Kunden, die von unserer Qualität und der möglichen Individualität überzeugt sind. Ich bin ein wenig stolz, denn unsere Produktion ist bis August 2026 ausgelastet. Ein PhoeniX-Reisemobil ist schon etwas Besonderes. Das zeigt sich auch am hohen Wiederverkaufswert sowie an der vergleichsweise geringen Zahl gebrauchter PhoeniX-Mobile auf dem Markt.

Camper Professional – Apropos Markt. Wie sehen Ihre aktuelle Marktabdeckung und Ihr Händlernetz aus?

Barbara Schell – Unser Hauptmarkt ist Deutschland. Hier verfügen wir über sehr erfahrene liebenswerte Handelspartner, die unsere Produkte bestens kennen. Das ist entscheidend, da unsere (prospektiven) Kunden oft sehr spezielle Anforderungen haben, die unsere Händler kompetent aufnehmen und umsetzen können. Unter der Voraussetzung, der PhoeniX-Kompetenz, könnte wir sicher noch Unterstützung in NRW und im Raum Stuttgart gebrauchen. International sind wir in Belgien, der Schweiz, Tschechien und Spanien vertreten. Unterstützung im skandinavischen Raum, der britischen Insel und auch in Österreich wären eine familiäre und wirtschaftliche Bereicherung.